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Toleranz, Gleichgültigkeit und Fetisch

Sind wir tolerant wenn es um Sexualität geht? Ja, aber nur den anderen gegenüber.

von Rio

In der modernen europäischen, westlichen Zivilisation gilt es als schick, offen und tolerant zu sein. Der Bildungsbürger, der im Bioladen kauft, Latte Macchiato trinkt und seinem Rucola am liebsten nur mit ein paar Tropfen Olivenöl und Balsamico isst, kokettiert gerne mit seinem ach so großen interkulturellen Verständnis und seinem Weltbürgertum. Er verabscheut sogenannte "Konservative" mit ihren verbohrten und vielleicht sogar rassistischen Einstellungen. Er mag keine Menschen, die gegen Homosexuelle hetzen und alle Sexpraktiken außer innerehelichen Rein-Raus-Verkehr für pervers halten. Ein guter Mensch hat nichts gegen Schwule und Lesben, ein guter Mensch erfüllt sein Sexualleben mit Abwechslung. So weit, so gut.

Der beschriebene Mensch entspringt natürlich reinem Klischee- und Schubladendenken. Dieser Mensch existiert in der realen Welt nicht. Doch leider kommt man oft nicht darum herum, sich dieser realitätsfernen Klischees zu bedienen. Klischees verhalten sich zu echten Menschen, wie Landkarten zur realen Landschaft. Sie sind nicht identisch noch miteinander vergleichbar, helfen aber bei der Orientierung.

Der beschriebene Mensch wird auch gerne als Gutmensch oder linker Spießer verspottet. Dennoch sind diese Menschen wohl das fortschrittlichste was unsere Gesellschaft zu bieten hat. Im Bezug zu Modernität und Toleranz sind sie das Maß aller Dinge. Sie bestimmen was Toleranz ist, wie weit sie geht und was rückständig ist. Das "Maß aller Dinge" an sich, wird selten in Frage gestellt. Die meisten sind so sehr mit der Toleranz der anderen beschäftigt, dass sie sich selbst nicht hinterfragen. Toleranz ist bis heute zum großen Teil eine Einbahnstraße geblieben. Menschen sind tolerant anderen gegenüber, geben aber selber nicht von sich Preis. Es gibt Millionen von Empfängern aber kaum Sender. Von sich selber geben die Menschen nichts Preis. Zum Beispiel: Viele akzeptieren Depression als Krankheit, erzählen aber in den seltensten Fällen davon, wenn sie auch betroffen waren. Weiteres Beispiel: Jeder Mensch hat eine sexuelle Vorliebe, Fantasie oder Fetisch. Er akzeptiert Menschen die diese ausleben, er würde aber nie offen von seinen eigenen erzählen.

Die eigenen sexuellen Wünsche sind intim und werden -wenn überhaupt- höchstens mit dem Sexualpartner geteilt. Dies ist jedoch schon fast eine Ausnahme. Oft stellen die Beziehungspartner ihre eigenen sexuellen Wünsche zurück, in der Sorge sich selbst zu blamieren und die geliebte Person zu verjagen. Doch Toleranz darf auch eingefordert werden. Kein Wunsch ist lächerlich. Eine Person die euch liebt, wird eure Wünsche verstehen. Sexualität ist ein fester Bestandteil jeder Persönlichkeit. Sie ist immer da, auch wenn man sie manchmal nicht sehen kann. Dies bedeutet, dass ein Person die auf Grund eurer Persönlichkeit euch lieben gelernt hat, höchstwahrscheinlich auch eure Vorliebe verstehen wird. Eure sexuellen Vorstellungen sind in der Regel eine logische Fortsetzung eurer eigenen Persönlichkeit. Wer mit euren sexuellen Vorstellungen nicht zurecht kommt, sollte noch einmal darüber nachdenken, ob es echte Liebe ist.

Spätestens in einer Beziehung zeigt sich, ob ihr persönlich und euer Partner zu echter Toleranz fähig seid. In einer Konfrontation muss man sich mit den sexuellen Wünschen des Gegenübers und der eigenen Sexualität auseinandersetzen. Die meisten Menschen verwechseln Toleranz mit Gleichgültigkeit. In einer Beziehung kann man nicht mehr Gleichgültig sein. Sobald einer der Partner Gleichgültig ist, ist die Liebe vorbei.

Wer gleichgültig ist braucht keine Toleranz. Wer gleichgültig ist, hat schon aufgegeben. Ihm ist es egal. Gleichgültig zu sein bedeutet passiv zu werden. Wer passiv ist, wird unmündig. Gleichgültige Menschen ändern nichts an sich oder an ihrer Umwelt. Toleranz setzt voraus, dass man eine eigene Meinung hat und einen Standpunkt besitzt. Toleranz ist die Fähigkeit mit jemandem zurecht zu kommen, der eine andere eigene Meinung und Standpunkt hat. Tolerante Menschen sind aktiv. Sie arbeiten an sich selbst und bearbeiten damit gleichzeitig die Gesellschaft. Praktisch heißt das, um sich selbst zu helfen und der Gesellschaft zu helfen, muss man ab und zu etwas von sich preisgeben. Etwas das sich unangenehm anfühlt, wenn man es ausspricht. Etwas von dem man denkt, es sei eine Schwäche. Doch nur wer seine vermeintlichen Schwächen offenbart, kann sie in Stärken verwandeln. Denn wer seine Schwächen offenbart, muss sich mit ihnen auseinander setzen. Wer seine Schwächen zeigt muss stärker werden.

Je öfter ihr über eure Vorliebe sprecht, desto "normaler" wird sie für euch werden. Manche Leute werden kein Verständnis haben. Die meisten jedoch werden euch bewundern und respektieren. Sie werden ehrfürchtig sein, da ihr etwas macht, was sie sich nicht trauen. Ihr werdet erleben, dass es mit der Zeit immer leichter wird, über eure Vorliebe zu sprechen. Je normaler ihr davon erzählen könnt, desto normaler kommt es beim Gegenüber an. Die Chancen einen Partner zu finden, mit dem ihr eure Vorliebe ausleben könnt, steigen so ungemein. Das freie Aussprechen der Vorliebe/des Fetisches verändert eure eigene Sichtweise und die eurer Mitmenschen. Auf diese Weise holt ihr die Fantasie in die Realität und die Realität unterscheidet sich immer von der Fantasie. In der Regel kommt es anders und oft besser als man denkt.

Bitte schickt doch eure positive wie konstruktive Kritik an mich: rio@stiefelstudenten.de

Tolerance, indifference and fetish